Von schnelleren Pferden zu echten Innovationen: Die Risiken chemischer Kältemittel

Henry Ford sagte einst: „Wenn ich die Leute gefragt hätte, was sie wollen, hätten sie gesagt: schnellere Pferde.“ Dieses Zitat verdeutlicht, dass echter Fortschritt oft erfordert, mutig neue Wege zu beschreiten und bestehende Konzepte zu hinterfragen. Ähnlich verhält es sich mit der Nutzung chemischer Kältemittel in unseren alltäglichen Geräten wie Klimaanlagen und Kühlschränken. Auf den ersten Blick scheinen sie harmlos, doch sie haben erhebliche Auswirkungen auf unsere Umwelt. Diese Kältemittel tragen massiv zur globalen Erwärmung bei und belasten unsere Atmosphäre.

 

Chemische Kältemittel, wie z.B. R134a, haben ein immenses globales Erwärmungspotenzial (GWP) von 1430. Dies bedeutet, dass ein Kilogramm R134a über einen Zeitraum von 100 Jahren betrachtet die gleiche negative Klimawirkung hat wie 1.430 Kilogramm CO2. Aufgrund dieser erheblichen Umweltbelastung wird R134a zunehmend durch umweltfreundlichere Alternativen ersetzt.

 

Eine dieser Alternativen ist R1234yf (aktuell oft in PKW Klimaanlagen verwendet), das mit einem GWP von nur 4 eine deutlich geringere Klimawirkung besitzt. Jedoch hat R1234yf eine atmosphärische Lebensdauer von etwa zwei Wochen und bildet in der Atmosphäre vor allem Trifluoressigsäure (TFA), eine extrem wasserlösliche und algengiftige Säure. Trifluoressigsäure ist eine Chemikalie, die sehr schwer abgebaut wird und daher sehr lange in der Umwelt bleibt. Sie kann sich in Gewässern anreichern und die Wasserqualität verschlechtern, was wiederum Pflanzen und Tiere im Wasser schädigt und die Ökosysteme stört.

Zudem kann TFA in die Bergregionen und Gletscher gelangen, wo sie die Bodenqualität beeinträchtigt und die Wasserversorgung aus Gebirgsquellen gefährdet. Dies könnte die chemische Kontamination des Gletschereises zur Folge haben und möglicherweise die Schmelzrate der Gletscher erhöhen, was weitreichende ökologische Folgen für die Abflussgebiete und die dortigen Ökosysteme hat.

Angesichts dieser Probleme empfiehlt das Umweltbundesamt, auf chemische Kältemittel komplett zu verzichten und diese durch natürliche Alternativen zu ersetzen.

 

Für viele Anwendungen gibt es bereits Alternativen mit natürlichen Kältemitteln wie Kohlendioxid (CO2), Kohlenwasserstoffe (z.B. Propan), Ammoniak oder Wasser. Diese natürlichen Kältemittel haben den Vorteil, dass sie weder zur globalen Erwärmung beitragen, noch signifikante umweltschädliche Nebenprodukte bilden. Insbesondere CO2 ist eine ausgezeichnete Wahl für Klimasysteme: Es ist nicht brennbar und sicherer im Umgang.

 

Ein herausragendes Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung umweltfreundlicher Technologien in der Praxis ist die Konvekta AG aus dem nordhessischen Schwalmstadt. Dieses Unternehmen hat sich als Vorreiter in der Nutzung von CO2 (R744) als natürliches Kältemittel etabliert, im Bereich mobiler Anwendungen wie Elektrobusse und Bahnen. Konvekta hat bereits eine Vielzahl von Klima- und Heizsystemen auf Wärmepumpenbasis mit CO2 in den Markt eingeführt.

 

„CO2 bietet zahlreiche Vorteile gegenüber herkömmlichen chemischen Kältemitteln, darunter eine höhere Energieeffizienz und ein minimales Treibhauspotenzial, was es zu einer ausgezeichneten Wahl für die Reduzierung des ökologischen Fußabdrucks macht“, sagt Marco März Vorstand Konvekta AG.

Die Erfolge von Konvekta zeigen, dass der Wechsel zu nachhaltigeren Lösungen nicht nur machbar, sondern auch wirtschaftlich vorteilhaft ist. Sie dienen als Vorbild für andere Unternehmen in der Branche und demonstrieren, wie innovative Ansätze in der Praxis umgesetzt werden können, um sowohl ökologische als auch ökonomische Ziele zu erreichen.

 

Es wird Zeit, dass wir, wie Ford es vorschlug, die alten Wege hinter uns lassen und die umweltfreundlicheren und sichereren Alternativen wählen. Durch den Einsatz natürlicher Kältemittel können wir nicht nur unseren Planeten schützen, sondern auch echten Fortschritt in Richtung einer nachhaltigen Zukunft erzielen.

 

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